Mehr Beratungsbedarf durch
vermehrtes Organisationsversagen

„Wer nun die einzelne PfarrkollegIn angemessen beraten will, muss sich stets diese lange Reihe der Widersprüche in unserer Landeskirche ins Gedächtnis rufen“, schreibt Pastor i.R. Herbert Dieckmann. Der ehemalige Vorsitzende des PA und des Hannoverschen Pastorenvereins (HPV) sieht die ratsuchende Kollegin oder Kollegen mit seinem bzw. ihrem persönlichen Beratungsanliegen ganz am Ende einer langen Kette eines nunmehr zwanzigjährigen Organisationsversagen unserer Landeskirche.

Dieckmann listet sechs Punkte auf, mit denen er seine These begründet.

1) Starke Kürzung der zentral wichtigen Gemeinde-Pfarrstellen
2) Systematische Abwertung der zentral wichtigen Gemeinde-PastorInnen
3) Ständige Demotivierung der zentral wichtigen Gemeinde-PastorInnen
4) Unfairer Umgang mit einzelnen PastorInnen bei gleichzeitiger Nachwuchswerbung
5) Trotz steigender Kirchensteuern weitere Streichung der Gemeindepfarrstellen
6) Trotz eindeutiger Gemeinde-Orientierung der Kirchenmitglieder weiterer Ausbau
der gescheiterten „Kirchenkreis-Kirche“

 Als Befindlichkeit der Ratssuchenden erlebt er „Vereinzelung, Ohnmacht“ und ein „Informationsdefizit“. Eines der bittersten Phänomene sei, dass der bzw. die Betroffene denke, „nur ich habe dies Problem“. Ob es um die längst überfällige Renovierung des Pfarrhauses gehe oder die mehreren tausend Euro, die das Kirchenkreisamt an Nebenkosten zu viel berechne – die Landeskirche setzt auf Vereinzelung und Entsoldiarisierung unter den PfarrkollegInnen, so Dieckmann. Sein persönliches Nachwort nach zwanzig Jahren Beratung der KollegInnen lautet:

„Ich bin immer wieder tief berührt und auch beschämt von dem dankbaren Vertrauen, das uns unsere Kolleginnen und Kollegen in der Beratung entgegenbringen, obwohl wir doch nur ein bisschen Zeit und etwas Wissen mit ihnen teilen. Doch so groß ist die gegenwärtige Not, dass selbst dieser bescheidene Dienst schon eine machtvolle Hilfe für unsere Pastorenschaft, aber auch für unsere ganze Landeskirche ist, selbst wenn sie das manchmal nicht wahrnimmt.“

Zum kompletten Text von Herbert Diekmann (PDF)

Ein Gedanke zu „Mehr Beratungsbedarf durch
vermehrtes Organisationsversagen

  1. Timo Rucks

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    viele dieser Schilderungen kann ich bestätigen. Ich zahle trotz eines gegenteiligen Beischeids seit 1,5 Jahren zu viel für meine Dienstwohnung; die Abrechnung der Heizkosten ist ebenfalls nicht korrekt. Und ja, überall, wo Comramo draufsteht, verbirgt sich ziemlich viel Chaos. Aber das Thema ist einfach zu groß. Sogar die Verantwortlichen im Landeskirchenamt haben mir mit einem Lächeln gesagt, dass sie sich so gerne von der Comramo trennen würden. Doch nun ist die Landeskirche selbst Gesellschafter bei der Comramo und für eine solche Trennung bräuchte es schon ziemlich viel Mut.

    Es gibt so viele Baustellen in der Landeskirche und so viel Bürokratie. Doch hier in Harpstedt ist man glücklicherweise weit weg von Hannover. Ich arbeite in einem tollen Team und habe eine tolle Gemeinde. Ich freue mich immer, wenn ich das System hier und dort etwas aufrütteln kann und mache ansonsten pflichtbewusst und mit Engagement meinen Dienst.

    Ich versuche so viel wie möglich von der Landeskirche auszublenden und werde mich wohl niemals politisch engagieren. Da ist das Ohnmachtsgefühl dann doch zu groß.
    Engagierte Gemeinden werden überleben und andere sterben. Und wenn es soweit ist, werden wir wohl eine Freikirche ohne Comramo und Amt für Bau- und Kunstpflege werden müssen – dafür aber bestimmt mit anderen Problemchen ;-).

    Vielen Dank für Ihr Engagement. Ich kann es leider nicht aufbringen. In der Gemeinde bin ich ganz gut aufgehoben und fühle mich sehr wohl.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Timo Rucks, Pastor aus Harpstedt

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